Betrug in Schweizer Casinos

Betrug in Schweizer Casinos

23 Dez 2011 | 08:57 Autor: Pia, Harald

Endlich ist auch die sonst so reine Schweiz zur dunklen Seite übergewechselt. Fiel die Schweiz in der letzten Jahren vor allem durch um die deutschen Steuereinnahmen besorgte Bankangestellte auf, die für kleine Millionenbeträge Milliarden auf geheimen Schwarzgeldkonten an den deutschen Fiskus verkauften, so konnten jetzt dort auch mehrere Casinobetrügereien nachgewiesen werden. Dabei waren die Schweizer Casinos sowohl Täter als auch Opfer.

Durch eine gewisse Sonderstellung zeichnen sich aber auch die betrügerischen Schweizer Croupiers aus. Konzentrierten sich alle von mir bisher beschriebenen bekanntgewordenen Manipulationen auf den Roulettetisch, so wurden in der Schweiz die Spielkarten manipuliert.  Betrügereien in diesem Ausmaß kenne ich ansonsten eigentlich nur aus Filmen.

Wie die Zeitung „Corriere del Ticino“ berichtete war es in den beiden Casinos Lugano und Locarno gelungen ein Spielsystem mit manipulierten Karten zu entwickeln. „Um einen Komplott mit getürkten Karten an den Spieltischen der Casinos zu realisieren, muss es auf den verschiedenen Ebenen Komplizen und Mitwisser geben, (von Croupier über die Kontrolleure bis hin zu den Sicherheitsleuten) denn sonst hätte dieses komplizierte System nicht gestartet und umgesetzt werden können.“  Das Casino Lugano und das Casino Locarno haben mehrere Mitarbeiter vorsorglich suspendiert.Zudem hat die Tessiner Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet, und zwar „aufgrund schwerwiegender Vorfälle zum Schaden des Unternehmens“, wie die Spielbank Lugano in einem Communiqué schreibt. Das Casino Lugano reagierte damit auf den Bericht der Zeitung „Corriere del Ticino“ allerdings wies das Casino zeitgleich jede Vorwürfe zurück, dass sie mit den Manipulationen selbst zu tun gehabt haben. 

Die Casino Direktion zeigte sich über die Veröffentlichungen der Zeitung irritiert, zumal sie selbst von der Staatsanwaltschaft zu größten Verschwiegenheit verpflichtet worden war, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Desweiteren betonte die Casino Leitung, das ihr bekannt sei, dass „anonyme Briefe mit diffamatorischem und beleidigendem Inhalt“ an die Tessiner Staatsanwaltschaft, die Eidgenössische Spielbankkommission (ESBK), an die Stadtregierung von Lugano sowie an die Medien versandt worden waren. Casino Direktor Hubertus Thonhauser vermutete, dass für die anonymen Schreiben ehemalige Mitarbeiter die Verantwortung tragen, denen im Zuge einer Restrukturierung gekündigt wurde. Der Betrugsfall selbst war Dank interner Sicherheitsmechanismen aufgedeckt worden. Thonhauser bestätigte jedoch, dass eine Handvoll Personen in diese Manipulationen involviert waren. Die Deliktsumme selbst dürfte er aus ermittlungstechnischen Gründen nicht verraten, geschätzt wird sie jedoch auf mindestens CHF250.000.

Wie genau die Spiele manipuliert wurden, ist im Moment noch unklar, doch es waren immer die gleichen Personen - Croupiers, Tischchefs und Gäste – beteiligt. Anscheinend besuchten die Komplizen als vermeintliche Kunden die Spielbank und wenn ein Tisch nicht sonderlich gut besucht war, schlugen sie zu. Am Ende betrug der Gewinn teilweise bis zu CHF50.000 am Abend.

Besonders schmerzhaft ist die Sache für das Casino Locarno, das immer noch unter dem Skandal von 2003 leidet. Gerade erst Ende November 2002 eröffnet, erhob SOS Racket e Usura (Erpressung und Wucher), eine Schutzorganisation für Opfer von Erpressungen und Wucher, bereits im Oktober 2003 schwere Vorwürfe gegen die Spielbank in der italienischen Schweiz.

Die Firma Fun Time hatte Büroräume im Casino gemietet und betrieb auch einen eigenen Stand vor Ort. Das Unternehmen war auf gut situierte Kunden spezialisiert und organisierte Reisen nach Las Vegas und Saint-Martin (Karibik), vermittelte aber aber auch Kunden in das Casino Locarno. Besonders brisant war die Enthüllung, dass die Präsidentin von Fun Time, Franca Carcano, die Ehefrau des wegen Wucherei vorbestraften Ilario Legnaro ist. Er wurde in Italien zu über sieben Jahren Gefängnis verurteilt und auch sie musste für über zwei Jahre in Haft. Die mailändische Schutzorganisation deckte auf, dass sieben Angestellte des Casinos sich mit Geldverleih ein Zubrot verdienten. Sie verlangten Wucherzinsen (10 % pro Tag) und wickelten ihre illegalen Geschäfte mit Kunden in Geldnot ab. Dazu seien sie mit den Kunden in den nicht mit Kameras überwachten Toilettenbereich gegangen. Zwei der Geldwechsler waren schon in Italien wegen Wucherei vorbestraft und hatten Kontakte zur Unterwelt.

Die Casinoleitung wies alle Vorwürfe von sich und bestritt, von den Machenschaften gewusst zu haben. Doch Frediano Manzi, Präsident von SOS Racket e Usura, leitete neben der Anklageerhebung gegen die Geldwechsler und die Firma Fun Time auch ein Dossier an die Staatsanwaltschaft weiter. Dies sollte belegen, dass rund ein Dutzend Kaderleute der Spielbank Bescheid wussten und dies auch geduldet haben. Noch während der Ermittlungen rollten Köpfe. Der Vertrag mit Fun Time wurde gekündigt, die Angestellten entlassen und im Managementbereich gab es "Umstrukturierungen".

In diesem Blogbeitrag geht es um eine russische Gruppierung, der es gelang die Automaten der Firma Novomatic in verschieden Schweizer Casinos zu plündern.

Laut einem Bericht des Schweizer Fernsehens war eine russische Bande in mehreren Schweizer Casinos auf Beutefang gegangen. Von dem Raubzug sollen die Geräte des österreichischen Glückspielkonzerns Novomatic betroffen gewesen sein. Mittlerweile wurden Sicherheitsupdates installiert, der Konzern selbst bereitet eine Stellungnahme zu diesen Vorfällen noch vor.

Die russische Bande wird verdächtigt, Automaten in verschiedenen Schweizer Casinos geplündert zu haben, berichtete kürzlich die Sendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens. Betroffen seien zwei Gerätetypen des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic. Entsprechende Sicherheitsupdates seien inzwischen installiert worden. Die Schadenssumme stehe noch nicht fest.

Im Januar 2011 war der Schweizer Polizei ein mutmaßlicher russischer Betrüger ins Netz gegangen, bestätigte Jean-Marie Jordan, Direktor der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), dem Schweizer Fernsehen. Der Russe sei vorübergehend verhaftet worden, ein Verfahren eröffnet. Es fehlten aber noch wichtige Informationen.

Anfang Februar hatte Jordan schließlich Alarm geschlagen. In einem Schreiben, das SF zeigte, warnte er alle Schweizer Casinos, dass „innerhalb diverser Spielbanken mehrere mutmaßliche Betrugsfälle beobachtet wurden. Die verdächtigen Personen russischer Nationalität (St. Petersburg) spielen an Novomatic Glücksspielautomaten des Typs 'Gaminator' oder 'Supergaminator'“, hieß es darin. Die Eidgenössische Spielbankenkommission forderte die Spielbanken desweiteren auf, „umgehend die nötigen Vorkehrungen (...) zu treffen.“

Die russische Bande hatte laut SF auch das Grand Casino Baden in der Schweiz heimgesucht, allerdings war das Unternehmen vorgewarnt worden und die Überwachungskamera verfolgte die Verdächtigen auf Schritt und Tritt. Man habe jedoch keine Ungereimtheiten feststellen können, wird der Chef des Schweizer Casinos, Detlef Brose, zitiert. Sein Casino sei nicht geplündert worden.

Laut SF weiß die Kontrollbehörde nicht, wie die Automaten manipuliert oder gehackt wurden. Daher sei auch die Höhe des Schadens noch nicht bekannt. Jordan habe sich nicht dazu äußern wollen, welche Schweizer Casinos abgezockt wurden.

Die ESBK hat die Casinos dem Fernsehbeitrag zufolge zu einem Update der Software gedrängt. „Dieses Update haben wir inzwischen aus Sicherheitsgründen eingespielt“, so Brose. Nun hoffen die Casinobetreiber, dass die neue Software nicht mehr geknackt werden kann.

Dem Casinos Austria, die in der Schweiz drei Spielbanken (St. Moritz, Bern und Lugano) betreiben, sind die mutmaßlichem Manipulationen an Glücksspielautomaten „seit längerem bekannt“, sagte Konzernsprecher Martin Himmelbauer auf APA-Anfrage. „Wir haben schon Vorkehrungen getroffen. Welche das sind, sagen wir natürlich nicht.“

Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic hat der APA in der Zwischenzeit schriftlich bestätigt, „dass einige Schweizer Spielbanken technische Probleme mit unseren Automaten gemeldet haben. Nach bisherigen Ermittlungen könnte es Versuche gegeben haben, unter Einsatz verbotener technischer Hilfsmittel rechtswidrig Spielvorteile zu erlangen. Trotz intensiver Untersuchungen lägen aber keinerlei Hinweise auf technische Mängel bei Novomatic-Geräten vor. Dem Unternehmen sei bis dato kein Schaden entstanden. Es gebe keinerlei Sicherheitslücken, daher würden keine Automaten ausgetauscht. Wie in der Industrie üblich, werden unsere Software-Programme laufend upgedatet und den Kunden die Updates bei Bedarf zur Verfügung gestellt.“

Ob Novomatic auch in anderen Ländern bzw. bei anderen Gerätetypen mit derartigen Problemen konfrontiert ist und wie viele Automaten der aktuell betroffenen Typen „Gaminator“ oder „Supergaminator“ weltweit im Umlauf sind, wollte das Unternehmen nicht bekanntgeben: „Über die Anzahl einzelner Produktgruppen im Markt geben wir aus Wettbewerbsgründen sowie aus Geheimhaltungsgründen keine Auskunft.“

Als großer Hersteller von Glücksspielgeräten sei man wie andere Hersteller auch „mit diversen rechtswidrigen Angriffsversuchen Dritter konfrontiert, denen wir präventiv und aktiv begegnen.“

Der in der Schweiz aktiven Russenbande dürfte es gelungen sein, den Zufallsgenerator, sozusagen das Herzstück eines jeden Glücksspielautomaten, auszutricksen. Mithilfe eines Geräts oder Programms konnten die mutmaßlichen Betrüger offenbar vorhersagen, wann die Glücksspielautomaten den nächsten großen Gewinn ausspucken. Details sind noch nicht bekannt, die Schweizer Behörden ermitteln noch, bei der zuständigen Spielbankenkommission ESBK war vorerst niemand mehr erreichbar.

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