Neon-Polizeistaat – Teil 1

09 Okt 2011 | 12:16 Autor:

Nach einem bizarren Abstecher zu einem indianischen Casino 50 Meilen nördlich von Las Vegas hielt ich letzten Abend bei einem Lebensmittelladen an der Kreuzung Sahara Avenue und Maryland Parkway, um einige Sachen einzukaufen.

Nachdem ich bezahlt hatte, verließ ich den Laden in Richtung Maryland Parkway, an dessen Ecke ich meinen Wagen geparkt hatte. Ungefähr zehn Schritte vor meinem Wagen hörte ich gedämpftes Weinen. Ich schaute nach rechts und entdeckte eine Frau, die neben einem Kompaktauto stand. Sie war vermutlich Mitte dreißig und hielt ihre Hände vors Gesicht. In der Hoffnung, dass sie sich aus ihrem Wagen ausgesperrt hatte, ging ich zu ihr und sagte, „Entschuldigen Sie, ist alles in Ordnung?“.

Mit Tränen in den Augen und zitternden Händen riss sie sich zusammen, schaute mich an und sagte, „Ich wurde gerade überfallen“.

Die nächsten 15 Minuten sprach ich mit der Frau und schenkte ihrer Notlage emphatisch Gehör. Sie war überhaupt nicht hysterisch, sondern sprach seelenruhig, doch war sie eindeutig zu aufgewühlt, um zu fahren.

Sie erklärte mir, dass sie mit einer Tasche voller Einkäufe zu ihrem Wagen gekommen sei und den Kofferraum geöffnet habe, als sich ein Mann näherte, der sie zuvor gegenüber von ihrem Parkplatz aus beobachtet habe. Ich fragte sie nach dem Aussehen des Mannes, worauf sie antwortete, dass dieser Lateinamerikaner, Anfang 30 und etwas größer als sie gewesen wäre. Als er sie aufforderte, ihm ihre Geldbörse auszuhändigen, habe sein Atem nach Alkohol gerochen. Sie habe keine Waffe gesehen, aber als er nach der Geldbörse griff und daran zog, habe sie sich nur wenige Sekunden gewehrt, ehe sie losgelassen habe. Natürlich sah ich mich um, um den Mann zu entdecken, und natürlich war er längst weg.     

Obwohl mich die Geschehnisse verwirrten, war der Überfall keine Überraschung. Davon konnte man ausgehen. Ich kenne nur wenige Leute in dieser Stadt, in deren Häuser nicht eingebrochen, deren Autos nicht gestohlen oder die nicht auf der Straße ausgeraubt wurden. Einer meiner Pokerkumpels wurde auf dem Walmart-Parkplatz mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt und überlebte nur, weil die Waffe des Räubers versagte. Mir wurden mehrfach Sachen wie Fahrräder gestohlen und trotz meiner Körpergröße von 1,90 Meter schrammte ich einige Male nur knapp daran vorbei, auf der Straße ausgeraubt zu werden.

Kurz nach meinem Geburtstag ging ich im Selbstbedienungsrestaurant von Gameworks auf die Toilette, um mir die Hände zu waschen. Als ich am Waschbecken stand, kamen zwei Männer herein. Einer stellte sich hinter mich, der andere daneben. Offensichtlich hatten sie gesehen, wie ich am Tisch mein Handy benutzt hatte, denn der Mann neben mir sagte, „Schönes Handy, kann ich das mal sehen?“. Ich sagte nichts und drehte mich in dem Wissen um, dass ich zwar mein Handy einbüßen würde, dabei aber so viel menschlichen Schaden wie möglich vermeiden wollte.

Genau in diesem Moment ging die Toilettentür auf und ein anderer Mann kam herein. Wie ich war er nicht gerade klein. Sehr schnell wurde klar, dass der Raub meines Telefons mehr Ärger anrichten würde, als es wert war, worauf die beiden potentiellen Räuber rasch die Toilette verließen.

Ich hatte schlicht und ergreifend Glück. Hätte der dritte Mann eine etwas größere Blase gehabt, wäre ich vielleicht ernsthaft verletzt worden und hätte mein Handy eingebüßt.

Durch die steigenden Arbeitslosenzahlen werden die Menschen immer verzweifelter und in der Stadt ist sich buchstäblich jeder selbst der Nächste. Ganz gleich, ob ich an der Tankstelle mein Auto auftanke oder von der Bahnstation nach Hause laufe, ich achte immer genau auf die Geschehnisse um mich herum und mache beim ersten Anzeichen, dass etwas schief läuft, ein Ausweichmanöver. Nach Einbruch der Dunkelheit laufe ich nicht einmal mehr mit Kopfhörern durch die Gegend, da ich Schritte hinter mir nicht mehr hören kann.

Das ist zumindest in meinem Stadtteil die Realität von Las Vegas.

Aus diesem Grund war ich nicht ansatzweise davon überrascht, auf dem Parkplatz einer ausgeraubten Frau zu begegnen.

Die nächsten Worte der Frau überraschten mich jedoch und sie machten mich sogar traurig.

Nachdem ich eine Weile bei ihr gestanden und sie wieder dazu gebracht hatte, flüssig zu sprechen, fragte ich sie, ob ich die Polizei rufen solle, damit sie den Überfall anzeigen kann. Die Angst in ihrem Gesichtsausdruck kehrte zurück.

„Nein, ich möchte nicht, dass die Polizei darin verwickelt wird“, war ihre Antwort.

„Sind Sie sicher?“, fragte ich.

„Ja, ich will die Polizei nicht rufen. Haben Sie mitbekommen, was man dem Mann in dem Summerlin-Laden angetan hat?“

Wow. Ich war sprachlos. Absolut und ohne jeden Zweifel sprachlos. Ich bin ein ziemlich abgestumpfter und zynischer Typ, aber gelegentlich kann man sogar mich schockieren.

Wie jetzt.

Ja, ich wusste, was die Polizei dem Mann in einem Summerlin-Laden angetan hatte, darüber hatte ich mich in meinen Foren in den letzten Wochen ausgetauscht. Allerdings war mir nicht klar, welchen Einfluss dieses Ereignis auf andere Leute gehabt hatte. Mir war nicht klar, wie sehr ein Großteil der Bevölkerung das Vertrauen in unsere örtliche Polizei eingebüßt hatte. 

Für alle, die die Geschichte nicht kennen, will ich sie hier kurz wiedergeben. Zehn Tage vorher wurde ein Mann vor einem Summerlin-Laden von der Polizei erschossen. Er wurde von drei Polizisten niedergemäht, die behaupten, er hätte eine Waffe auf sie gerichtet. Augenzeugen berichten Unterschiedliches über die Details des Vorfalls und wir Bürger erwarten mit Spannung das Überwachungsvideo des Ladens, um die Behauptungen der Polizisten zu überprüfen. Bei allen Leuten, die ich kenne, herrscht allerdings absolute Einigkeit, dass das Überwachungsvideo „verloren gegangen“ ist, da es auf keinen Fall mit der Version der Polizisten übereinstimmen würde. Das zeigt, wie sehr die meisten Bürger das Vertrauen in die Polizei von Las Vegas verloren haben.

Das Todesopfer hatte tatsächlich eine Waffe (in Wirklichkeit sogar zwei), aber es besaß einen Waffenschein. Außerdem war es ein amerikaliebender, bewaffneter und gottesfürchtiger Hochschulabsolvent.

Wir sind alle gespannt, wie die Sache ausgeht, aber insgeheim wissen wir alle bereits, was passieren wird. Der Untersuchungsrichter wird die Schüsse als gerechtfertigt bezeichnen und es wird zu ähnlichen Schießereien kommen. Immer wieder.

Bislang habe ich versucht, zu diesem Thema zu schweigen. Obwohl es mich umgetrieben hat, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, zu einer der 18 Schießereien, in die in diesem Jahr Polizisten verwickelt waren, einen Artikel zu verfassen. Selbst nachdem ich auf dem Weg in die Notaufnahme angehalten und ausgequetscht wurde, während ich das Bewusstsein verlor, habe ich mich zurückhaltend benommen, wenn es darum ging, die Polizei von Las Vegas zu kritisieren. 

Warum?

Weil ich Angst vor Rache habe. Ernsthaft.

Hätte ich keine Familie, würde ich mir diese Sorgen nicht machen, aber ich weiß, wie die Polizei vorgeht. Dies ist einer der Gründe, warum ich hier nicht mehr allzu lange leben möchte.

Letzten Monat setzte ich eine formale Beschwerde gegen einen Polizisten auf, der uns auf dem Weg zur Notaufnahme anhielt. Bevor ich sie einreichte, änderte ich meine Meinung. Mir war klar, dass meine Autonummern herumgereicht und ich zu einem fahrenden Angriffsziel werden würde. Würde eines meiner Autos wegen einer Ordnungswidrigkeit oder aus irgendeinem anderen Grund angehalten, würde der Fahrer große Probleme bekommen. „Ungebührliches Benehmen“, „Widerstand gegen die Staatsgewalt“, „Entziehen der Festnahme“, das Repertoire erlogener Vergehen, das einem durchschnittlichen Polizisten von Las Vegas zur Verfügung steht, ist absolut erstaunlich. Wollen sie einen einsperren oder noch schlimmer … kalt machen …, schaffen sie das und dazu muss man sich nichts zuschulden kommen lassen.

„Komm, Rex, Du übertreibst. Glauben alle Männer mit großen Penisen an solche Verschwörungstheorien wie Du?“

Nun, der Vorwurf ist berechtigt, er kann aber leicht entkräftet werden.

Lesen Sie hier weiter in Teil 2.

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