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Spieler Legende Archie Karas verurteilt

Autor: Körner, Melissa

Was wären Casinos ohne legendäre Spieler, die mit ihren grandiosen Glückssträhnen – oder auch Pechsträhnen – für Furore sorgten. Eine solche Legende ist Archie Karas, der in den 90er Jahren satte 40 Millionen Dollar gewann – und 30 Millionen Davon in nur zwei Wochen verlor. Diese Legende wurde nun von einem Gericht als Betrüger verurteilt.

Es sind die Legenden, die Casino-Geschichten zu guten Geschichten machen. Es sind aber auch die Betrüger und dreisten Diebe, die Casino-Geschichten zu guten Geschichten machen. Nicht immer zählen nur die Gewinne oder hohen Verluste, um in die Hall of Fame der besten Casino Geschichten einzugehen. Wie langweilig wäre denn ein „Ocean's Eleven“, wenn es in dem Film nicht um einen sagenhaft geplanten Casino-Überfall ginge, sondern „nur“ um einen Knüller-Gewinn?

Aber zurück zu Archie Karas – auch er ist das Salz in der Suppe der Casino-Legenden. In den 1990er Jahren schaffte er es mit seiner unglaublichen Glückssträhne zu einigem Ruhm. Nun ist der Ruhm zurück – allerdings ist es ein nicht ganz so schillernder. Vor wenigen Wochen wurde Karas nämlich zu drei Jahren Bewährung verurteilt – und zwar wegen Betrugs beim Blackjack.

Was hat Karas angestellt?

Der heute 63-jährige Karas wurde im vergangenen Jahr von den Überwachungskameras im Barona Casino in San Diego beim Markieren von Karten gefilmt. Bei späteren Durchsuchungen im Haus der Casino-Legende fanden die Polizisten ausgehöhlte Chips, in denen Karas vermutlich Tinte versteckte.

In der Folge musste Karas 6.800 Dollar von seinem 8.000-Dollar-Gewinn zurück zahlen. Die Summe, die er gewonnen hatte, nachdem er angefangen hatte, die Karten zu markieren.

Seit 1988 soll Karas bereits mehrfach mit Hilfe von Markierungen in Casinos betrogen haben. Das Nevada Gaming Control Board ließ ihn dafür vier Mal verhaften. Gemeinsam mit einem Partner soll Karas mit Hilfe von heimlich markierten Karten große Summen gewonnen haben. Für seine Vergehen wurde er nun verurteilt – auf freiem Fuß ist der noch, aber erlauben darf er sich nun nichts mehr.

Filmreifer Beutezug in Deutschland

Die großen und wirklich legendären Geschichten spielen meist in den USA – dort hat das Glücksspiel schillernde Figuren hervorgebracht. Aber auch hierzulande gibt es immer wieder Nachrichten von filmreifen Auftritten, wenn dreiste Diebe versuchen, sich an den Spielbanken zu bereichern, ohne dort zu spielen. Im Jahr 2012 schnappte die Polizei eine Betrüger-Bande, die mehrere Jahre lang deutsche Spielbanken ausgeraubt haben sollen – und dabei sehr planmäßig vorgegangen waren.

Lange Jahre der Ermittlungsarbeit steckten hinter der Festnahme auf einer Raststätte in Baden-Württemberg. Schon 2005 waren Mitarbeitern des Casinos in Bad Wiessee gewisse Dinge komisch vorgekommen. Das Casino schaltete die Kriminalpolizei ein und die Sichtung des Videomaterials bestätigte den Verdacht – hier war betrogen worden.

Bei ihren jahrelang planmäßig durchgeführten Aktionen gingen die Betrüger sehr effektiv ans Werk: Immer dann, wenn beim Roulette die Kugel fällt, lenkten die Täter den Croupier ab – und konnten so sehr hohe Beträge auf genau die Zahl setzen, die in Augenblick des Liegenbleibens bekannt wurde. Eine Taktik, die in Casino-Kreisen als „Poussette-Betrug“ bekannt ist.

Ein Überfall wie in einem schlechten Film

Nicht immer versuchen Kriminelle als Spieler getarnt an das Geld der Spielbanken zu kommen. Im Jahr 2010 gelang sechs Männern in Berlin ein filmreifer Auftritt. Mit Maschinengewähren, Schwertern und Handgranaten bewaffnet stürmten sie Europas größtes Poker-Turnier, das zu der Zeit im Berliner Luxushotel „Grand Hyatt“ abgehalten wurde. Die maskierten Männer bedrohten die Mitarbeiter, die in der Wechselstube des Hotels arbeiteten und verlangten das vorhandene Bargeld – um insgesamt 4,6 Millionen Euro ging es bei der EPT 2010.

Mit knapp 250.000 Euro waren die Männer geflohen, wurden aber sehr schnell von der Polizei geschnappt. Beim Prozess erhielten alle Täter und auch die Drahtzieher des Überfalls lange Haftstrafen, der Fahrer des Fluchtautos musste beispielsweise für sechs Jahre und vier Monate ins Gefängnis.

Auch Croupiers bereichern sich gern

Nicht immer sind es Täter von außen, die sich an den Casinos zu bereichern versuchen. Immer wieder stecken sich auch Mitarbeiter von Casinos das Geld in die eigenen Taschen. So beispielsweise in einem spektakulären Fall aus den 90er Jahren. Mehrere Croupiers und Spieler sollen in der Spielbank Bad Kissingen zusammen gearbeitet haben, um Geld zu erbeuten. Sie waren ein perfekt eingespieltes Team, nutzten geheime Zeichen und perfektes Timing und ebenfalls den Pousette-Betrug, um innerhalb von acht Monaten etwa 129.000 Euro zu ergaunern.

Poussette-Betrug

Roulette Tisch

Bei dieser Art des Betruges beim Roulette versuchen die Täter noch Chips auf den Tisch zu legen, wenn die Kugel schon gefallen ist.

Das Wissen, welche Zahl gewinnen wird, ist beim Roulette sehr wertvoll.

Sofort nach Fallen der Kugel räumt der Cropuier in der Regel die Verlustfelder ab –

für die Täter eine Chance, den Croupier abzulenken und noch Chips auf die gewinnende Zahl zu legen.

Wer ist Archie Karas überhaupt?

Archie Karas arbeitete in einem Restaurant in Los Angeles, das neben einer Bowlingbahn und einer Billardhalle lag. Dort verfeinerte er seine Pool-Fähigkeiten und verdiente schließlich mehr Geld beim Billard spielen als als Kellner. Nachdem er seine Mitspieler aus der Billardhalle ausgenommen hatte, ging er in die Kartenräume von Los Angeles, um Poker zu spielen. Karas behauptet, vom Bettler zum Millionär und wieder zurück gegangen zu sein. Später wurde er ein schlauer Pokerspieler, der seine Bankroll auf über 2.000.000 $ aufbaute. Professionelle Pokerspieler wie Chip Reese und Doyle Brunson hatten Karas als einen schwächeren Pokerspieler angesehen. Im Dezember 1992 hatte Karas alles bis auf $50 beim Pokern mit hohen Einsätzen verloren. Anstatt seine Situation neu zu bewerten und zu verlangsamen, entschied er sich, nach Las Vegas zu gehen, um nach größeren Spielen zu suchen. Die nächsten drei Jahre würden in die Legende eingehen, als der größte Lauf in der Geschichte des Casino-Glücksspiels.

Der irre Lauf des Archie Karas

Karas' erster Lauf dauerte sechs Monate, als er mit 50 Dollar nach Las Vegas fuhr und ein Darlehen von 10.000 Dollar in etwa 17 Millionen Dollar durch Poker und Billard verwandelte. Es begann im Dezember 1992, als Karas, nachdem er seine gesamte Bankroll verloren hatte, mit seinem Auto und $50 in seiner Brieftasche nach Vegas fuhr. Nachdem im Mirage angekommen war, erkannte Karas einen anderen Pokerspieler aus der Szene von Los Angeles und überzeugte ihn, ihm einen Kredit von 10.000 Dollar zu geben. Karas verwandelte das Darlehen schnell in $30.000 und spielte $200/$400 Limit Razz. Karas gab 20.000 Dollar an seinen Geldgeber zurück, der mehr als zufrieden war.

Mit etwas mehr als 10.000 Dollar in der Tasche ging Karas in eine Bar mit einem Billardtisch neben dem Liberace Plaza in East Tropicana. Dort fand er einen wohlhabenden und respektierten Poker- und Poolspieler. Karas weigerte sich, seinen Namen wegen des Rufes seines Gegners preiszugeben; er nannte ihn einfach "Mr. X". Sie fingen an, 9-Ball-Pool bei $5.000 pro Spiel zu spielen, wobei die Einsätze im Laufe der Spiele erhöht. Nachdem Karas mehrere hunderttausend Dollar gewonnen hatte, erhöhten sie den Einsatz auf 40.000 Dollar pro Spiel. Viele Spieler und professionelle Pokerspieler sahen Archie mit nie zuvor gesehenen Einsätzen spielen. Karas gewann am Ende 1.200.000 Dollar. Die beiden beschlossen, bei Binion's Horseshoe Poker zu spielen, wo Karas weitere $3.000.000 von Mr. X. gewinnen konnte.

Mit einer Bankroll von 4 Millionen Dollar spielte Karas nach nur drei Monaten in Vegas bis zu 7 Millionen Dollar. Inzwischen hatten viele Pokerspieler von den Verlusten von Mr. X an Archie gehört. Nur die besten Spieler wagten es, ihn herauszufordern. Karas saß am Pokertisch des Binion's Horseshoe mit 5 seiner 7 Millionen Dollar vor ihm und wartete auf alle Spieler, die um solche Einsätze spielen wollten.

Der erste Herausforderer war Stu Ungar, ein dreimaliger World Series of Poker Champion, der weithin als der größte Texas-Hold'em- und Gin-Rummy-Spieler aller Zeiten gilt. Stu wurde von Lyle Berman unterstützt, einem weiteren professionellen Pokerspieler und Geschäftsmann, der Grand Casinos mitbegründete. Karas schlug Stu zuerst für $500.000 beim Heads-up Razz. Karas spielte dann Ungar im 7-Card Stud, was Ungar zusätzlich $700.000 kostete.Der nächste Spieler war Chip Reese, der weithin als der größte Cash-Game-Spieler galt. Reese behauptet, dass Karas ihn für mehr Geld geschlagen hat als alle anderen, die er je gespielt hat. Nach 25 Spielen war Reese um $2.022.000 ärmer und man spielte $8.000/$16.000 Limit.

Karas schlug weiterhin viele Spitzenspieler, von Puggy Pearson bis Johnny Moss. Viele Spitzenspieler würden ihn nicht spielen, nur weil seine Einsätze zu hoch waren. Der einzige Spieler, der Karas in der ersten Runde geschlagen hat, war Johnny Chan, der ihn um $900.000 schlug, obwohl Chan vor und nach der Serie häufig gegen Karas verlor. Am Ende seiner sechsmonatigen Siegesserie hatte Karas mehr als 17 Millionen Dollar gesammelt. Karas sagte, dass Doyle Brunson der einzige Spieler war, der Razz während seiner Siegesserie gewinnen konnte.

Die Poker-Aktion war für Karas wegen seines Rufs und seiner Einsätze zu diesem Zeitpunkt ausgetrocknet. Er hatte gewürfelt, für 100.000 Dollar pro Wurf. Karas durfte Wetten bis zu $300.000 setzen, aber ohne Gewinnchancen. Jack Binion hatte Karas Wetten auf die 4 und 10 auf $100.000 begrenzt. An einem Punkt erhöhte Binion Karas' 4 und 10 Buy Limit auf $200.000. Karas gewann schnell $920.000 unter diesen Bedingungen; dann senkte Binion sofort das Limit wieder auf $100.000. Karas sagte, dass er schnell 3 Millionen Dollar beim Würfeln gewinnen könnte, während es beim Pokern Tage bis Wochen dauern würde. Karas sagte: "Mit jedem Spiel, das ich für eine Million Dollar geschlagen habe, hätte ich noch höher gespielt, wenn sie mich gelassen hätten."

Der Transport von Geld wurde für Karas zum Ärgernis, da er jeden Tag mehrere Millionen Dollar in seinem Auto hatte. Er trug immer eine Waffe bei sich und ließ sich oft von seinem Bruder und den Sicherheitskräften des Casinos begleiten. An einem Punkt hatte Karas alle $5000 Chips des Binion's Casinos gewonnen, den höchsten Wert zu dieser Zeit.Am Ende seiner Siegesserie hatte er über 40 Millionen Dollar gewonnen.

Aber Karas endete dramatisch. Er verlor all seine Gewinne innerhalb kürzester Zeit wieder und ist jetzt nur noch eine tragische Legende in Las Vegas.

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